Mein „Positive Charge“

Das Jahr 2022 war … sagen wir es so: aufschlussreich. Es begann mit einem Ende. Dem Ende von Pengu Media.

Es gibt Erlebnisse, die erst mit Abstand zu Learnings werden. Während sie passieren, spürst du nur den Aufprall, aber nicht die Lektion, die darin verborgen liegt. Ich kann mich noch genau an diesen Moment erinnern, als wäre es gestern gewesen. The Batman lief gerade im Kino, und ich gab mein letztes Geld aus, um ihn auf der großen Leinwand zu sehen. Eine Flucht aus der Realität, denn meine Realität hatte in diesem Moment nichts mehr für mich übrig.

Pengu Media – mein Baby, unser Baby, unsere kleine Firma, die sich so oft neu erfunden hatte, lag in Trümmern. Anfang 2022 standen wir alle vor der gleichen Entscheidung: Zurück in die Arbeitswelt. Zurück in Angestelltenverhältnisse, weil wir als Unternehmer gescheitert waren.

Ich war weiter von meinem Traum, Filme zu machen, entfernt als je zuvor. Statt an Sets zu stehen, saß ich auf einem Schuldenberg und schrieb zum ersten Mal seit fast zehn Jahren Bewerbungen.


Soundtrack eines Neustarts

Musik hat mich schon immer begleitet. Jeder, der auf meiner Website landet, merkt schnell, dass sie eine große Rolle in meinem Leben spielt. Und genau in dieser dunklen Phase war es wieder einmal The Gaslight Anthem, die mir Trost spendeten. Während ich Bewerbungen schrieb und in Jobportalen versank, drangen vertraute Worte durch meine Kopfhörer.

“I’ve never felt so strange
Standin’ in the poundin’ rain”

- The Patient Ferris Wheel by The Gaslight Anthem

Diese Band hat mich durch die schlimmsten Zeiten meines Lebens begleitet. Ihre Texte haben mir geholfen, mich aus den tiefsten Löchern zu ziehen. Ich habe mir die für mich wichtigsten Zeilen sogar auf meinen linken Arm tätowieren lassen – eine Erinnerung daran, dass es immer einen Weg hinaus gibt.

Doch 2015 legte Gaslight Anthem eine Pause auf unbestimmte Zeit ein. Je länger ich wartete, desto weniger glaubte ich an ein Comeback meiner Lieblingsband. Und dann, genau in dem Jahr, in dem mein berufliches Leben in Trümmern lag, kündigten sie plötzlich ihre Rückkehr an. Eine Reunion-Tour. Ein neues Album in Arbeit.

Es sind solche Momente, die mich an eine gewisse Kraft im Universum glauben lassen. (Oder daran, dass ich Rick Rubins „The Creative Act“ vielleicht einmal zu oft gelesen habe.)


Ein Job. Eine Entlassung. Eine Frage.

Die ersten Vorstellungsgespräche folgten. Vor dem ersten war ich nervös, doch kaum saß ich im Gespräch, fühlte es sich an wie ein weiteres Kundengespräch. Das dritte Interview sollte das entscheidende werden. Ich bekam den Job.

Im August 2022 fing ich bei einer Marketingfirma an.

• Die Kollegen? Fantastisch.
• Die Chefin? Bis heute nenne ich sie „Chefin“.
• Der Vibe? Hat gepasst.

Die Kollegen waren großartig, mein Team war auf einer Wellenlänge, und meine Chefin nenne ich bis heute mit Respekt „Chefin“. Doch das Glück hielt nicht lange. Drei Monate später wurde ich Opfer einer Massenentlassung, in der 20 Prozent der Belegschaft gehen mussten.

Ich werde nie vergessen, wie ich durch die Gänge der Firma lief und Kollegen mit Tränen in den Augen sah. Menschen, die nach zehn Jahren plötzlich ohne Job dastanden. Andere, die versuchten zu trösten. Ich war natürlich enttäuscht, aber meine Vergangenheit hatte mich abgehärtet. Ich hatte mehr Mitgefühl für meine Kollegen als für mich selbst.

Und so stand ich im Oktober 2022 wieder auf Jobsuche. Doch diesmal ließ mich eine Idee nicht los. Sollte ich es noch einmal versuchen? Diesmal allein?


ENTER: CHARLY – Zeichen des Universums

Im selben Monat bekam ich eine unerwartete Anfrage. Ein unkonventioneller Brautmode-Designer wollte mich für ein Shooting buchen. Es fühlte sich fast so an, als würde mir das Universum eine Richtung vorgeben. Fast so, als würde mir das Universum sagen: “Geh diesen Weg!”

Aber ich war noch zu unsicher. Die Wunden von Pengu Media saßen zu tief.

Ich bekam ein weiteres Jobangebot von einer hipströsen Werbeagentur. Der Starttermin war im Januar 2023. Zwei Monate musste ich noch überbrücken, also nahm ich kleine Aufträge an. Und dann kam dieser Abend, an dem ich Charly kennenlernte.

Es war eine zufällige Begegnung während einer Motivbegehung für eine Webshow namens „Die Jugos“, bei der ich einem Freund half. Am gleichen Tag fand in dem Studio ein Netzwerk-Abend für Kreative statt. Natürlich blieben wir. Charly und ich kamen ins Gespräch und verstanden uns sofort. Ich erzählte von meinem Werdegang, von meinen Skills, und warf beiläufig in den Raum: „Meld dich, wenn du mal was brauchst.“

Ich dachte, das war’s. Doch am nächsten Tag klingelte mein Handy.

Boom - Ich hatte ihn gerade erst kennengelernt und er vertraute mir bereits einen Auftrag an.

Und ich lieferte. Es wurde der Beginn einer großartigen Zusammenarbeit – und einer Freundschaft.


Job vs. Leidenschaft – Der letzte Schubser

Im Januar 2023 begann ich meinen neuen Job in einer hipströsen (gibt es dieses Wort?) Werbeagentur.

• Die Menschen? Super.
• Der Job? Nicht für mich.
• Social Media Content? Meh.
• Reels mit Micro-Budgets? Meh.
• Hochwertige, visuelle Storytelling-Projekte? Fehlanzeige.

Die Kollegen waren cool, die Arbeit okay, aber schon nach wenigen Wochen spürte ich, dass mein Herz nicht wirklich dabei war. Während die Aufträge in der Agentur immer mehr in Richtung Social Media Content gingen – ein Bereich, mit dem ich mich nie richtig anfreunden konnte – spürte ich bei meinen Projekten mit Charly das genaue Gegenteil: Feuer, Leidenschaft, kreative Freiheit.

Der Gedanke, wieder komplett selbstständig zu sein, wurde immer präsenter. Ich wusste, dass ich rein finanziell mehr hätte, wenn ich meinen Job kündige und meine Energie voll in meine eigenen Projekte stecke. Doch die Angst war groß. Was, wenn sich alles wiederholt? Was, wenn ich wieder scheitere?

Dann kam der 26. April 2023.

Ich saß mit meinem Chef im 1:1-Gespräch und sprach die Worte aus, die alles verändern sollten:

“Ich kündige.”

Noch am selben Tag hatte ich einen Termin mit Ali, einem Freund, der gerade dabei war, sein eigenes Unternehmen zu gründen – „Das Schaltwerk“, eine Fahrradwerkstatt. Ich unterstützte ihn mit Branding, Fotos und Videos.

Die Sonne schien, und während ich durch die Straßen ging, konnte ich es kaum fassen. Ich hatte es getan.


Der Soundtrack für mein neues Kapitel

Am Abend des 26. April 2023 spielte Discorrected, die Band meines besten Freundes, ein Konzert in einem kleinen Club. Nach der Show saßen wir bei McDonald’s. Ich zog mein Handy raus – und sah nur eine einzige Benachrichtigung auf meinem Sperrbildschirm.

„Positive Charge von Gaslight Anthem wurde deiner Mediathek hinzugefügt.“

Ich konnte meine Augen nicht trauen. Neue Musik von der Band, die mich durch mein gesamtes Erwachsenwerden begleitet hatte. Und genau an dem Tag, an dem ich wieder den Sprung ins Ungewisse gewagt hatte.

Ich öffnete Apple Music und drückte auf Play.

“I need a spark
I need a positive charge
Plug it into my veins and
make me love this life again”

- Positive Charge by The Gaslight Anthem

Dieser Song war mein Zeichen.

Und pictures by pope war geboren.

Seit dem 26. April 2023 gibt es kein Zurück mehr. Ich werde alles geben.